Eye-Fi SD-Card - wie genial ist das wirklich?

Eine Eye-Fi SD-Card ist eine äußerlich ganz normale SD Card die im inneren einen zusätzlichen Funkchip beherrbergt und via WLAN im 2.4 GHz Band mit anderen Geräten kommuniziert. Ziel ist es, aufgenommene Bilder sofort an PC oder Internet zu übertragen.

 

Die Situation

Wer viel mit ebay zu tun hat kennt das vieleicht. Fotof machen, Kamera oder SD Card an den Rechner stöpseln, hochladen. Wieder und wieder. Mal will man ein Foto machen aber die Card steckt noch im Kartenleser, mal will man die Kamera ans USB anschließen aber das Kabel rutscht hinter den Rechner oder sonstwas. Wie schön wäre es die Fotos würden nach dem Knipsen automatisch im ebay Fotoordner erscheinen.

Dachte ich mir auch und kaufte eine Eye-Fi Card.

 

Der Start

Die neue gekaufte Karte entsprach nicht dem aktuellen Modell. Laut Internet werden ältere Karten jedoch per Firmwareupgrade auf aktuellen Stand gebracht was erfreulicherweise während der Installation auch funktionierte. Leider finde ich später in der Software nirgends Angaben darüber welche Firmware installiert ist und welchem "Ey-Fi Modell" meine Karte nun entspricht.

Die Karte muss per Software auf jeden Rechner wo sie benutzt werden soll eingerichtet werden, ein einfaches Verbinden des WLAN Netzwerks reicht nicht.

Die benötigte Software ist auf der Karte enthalten. Wer die Karte in der Kamera formatiert verliert die Installationssoftware und darf sie aus dem Internet neu laden.

Überhauplt Internet. Eine Installation der Software oder zwingend erforderliche Einrichtung der Karte ist nicht ohne Internetverbindung möglich. Nun hat man zwar in der Regel eine, aber schön ist das nicht, es hat immer den faden Beigeschmack das der Hersteller sich für dinge interressiert die ihn nichts angehen. Und wer die Karte irgendwo in der Pampa an sein Notebook koppeln will - Pech gehabt.

Positiv ist zu sagen - Software und Unterstützung bekommt man in deutsch und es gibt zahlreiche Anleitungen und Erläuterungen des Herstellers. Allerdings ist das auch nötig wie wir im weiteren sehen werden.

 

Stolperstein Kamera

Vor der Verwendung sollte auch die Kamera für den Eye-Fi Einsatz fit gemacht werden. Man muss bedenken das die Übertragung - vor allem bei schlechter Verbindung, großen Dateien oder vielen Bildern, einige Zeit braucht. Schaltet sich die Kamera zwischenzeitlich wegen Untätigkeit ab ist wohl auch finito mit der Bildübertragung. Also 4GB Urlaubsbilder machen, nach Hause komen und die Eye-Fi lädt die mal schnell hoch auf den PC - ich denke eher nicht, jedenfalls nicht bei unserer Canon EOS 1000D. Damit das wenigstens im Normalfall bei 1-2 Bildern reibungslos funktioniert sollte man bei Bedarf die automatische Abschaltzeit der Kamera verlängern.

Besser sieht die Sache z.B. bei der Canon 550D/ 60D / 600D oder selbst der 1100D aus, deren Eye-Fi Unterstützung verhindert das vorzeitige Abschalten.Es ist davon auszugehen das alle modernere Canon EOS dieses Feature mit auf den Weg bekommen.

 

 

Die Einrichtung

Zunächst ist es erst mal verblüffend was sich der Hersteller alles ausgedacht hat. Die Karte kann sich mit 32 WLAN Netzwerken verbinden, neben einer Übertragung zum PC ist vor allem ein automatischer Upload zu diversen Bilderdiensten vorgesehen, natürlich wird bei Bedarf auch kostenpflichtiger Speicherplatz angeboten. Und natürlich gibt es auch Wege auf das Tablet und Smartphones. Die scheinen machmal etwas steinig zu sein, aber mir egal, Hauptsache sie kommt mit dem heimischen PC klar. Jedes Gerät auf das Bilder sollen muss zunächst die Software aufgespielt bekommen, es gibt keinen Weg mit Windows Bordmitteln.

 

Die Testumgebung

Das Ganze ist so hipp und mobil das die gutbürgerliche Vorzeigefamilie wohl nicht recht ins Benutzerraster passt. Nehmen wir ein durchschnittliches massives Eigenheim mit EG und OG. Der Router in Form einer Fritzbox steht im EG. Es gibt einen PC im EG (PC-EG) und einen im OG (PC-OG), dazwischen tummelt sich noch ein Notebook was wir erst mal vernachlässigen. Alle Geräte sind über WLAN am Router angekoppelt.

 

Stolpersteine Infrastruktur

Die Eye-Fi Card wird am OG-PC eingerichtet, die Kamera liegt daneben auf dem Schreibtisch. Einrichtung funktioniert, aber die Kamera sendet keine Bilder.  Und zwar weil die Karte im Normalmodus die Bilder an den Router im EG senden will, dieser schickt sie dann wieder hoch zu dem OG-PC. Leider schafft es die Karte mit der Sendeleistung nicht durch die massive Decke und 2 Wände. Fotografiert man im EG kommen die Fotos hingegen zügig oben an, also im Prinzip funktioniert es. Soweit, so (fast) gut.

Der Weg der Bilder ist wie folgt:

 

Eye-Fi SD-Card -> WLAN Netzwerk 1 -> Router -> WLAN Netzwerk 1-> OG-PC-> Ablageordner X

 

Nun wollen wir die Karte auch am zweiten PC einrichten. Dazu installieren wir wieder die Software - und dürfen feststellen das diese Art der Benutzung nicht vorgesehen ist. Folgende parallele Konfiguration geht also nicht:

 

SD-Card -> WLAN Netzwerk 1 -> Router -> WLAN Netzwerk -> OG-PC-> Ablageordner X

SD-Card -> WLAN Netzwerk 1 -> Router -> WLAN Netzwerk -> EG-PC-> Ablageordner Y

 

Denn wir befinden uns im gleichen WLAN Netzwerk, und da kann man nur einen PC als Speicherziel angeben. Entweder die Daten werden auf dem OG-PC gespeichert oder auf dem EG-PC, beides gleichzeitig geht so schon mal nicht. Ich könnte mir die Bilder natürlich über das Netzwerk wieder vom OG-PC laden, aber da müßte selbiger immer mit angeschaltet sein und das kanns ja nicht sein. Nun würden aber beide Benutzer gerne die Vorzüge der tollen Karte nutzen, also was tun?

 

Im Hinblick auf einen mobile Verwendung der Karte hat der Hersteller einen "Direktmodus" vorgesehen, was so ähnlich wie ein Ad-hoc Netzwerk ist. Die "Direktverbindung" beruht wohl auf einer Spezifikation der WI-FI Alliance von 2010 und ist daher noch recht unbekannt.

Ich habe vermutlich nur eine Art "Connect X2" (auf der originalen Karte steht nichts drauf....), also bietet mir die Software nur die Einrichtung der Direktverbindung an und nicht die Möglichkeit einer Ad-hoc Verbindung. Nun gut, das Verständnis des Durchschnittsbenutzers endet hier vermutlich, doch sind wir mal forsch und probieren das.

Die Karte soll also über den normalen Modus an den OG-PC senden und über den Direktmodus an den EG-PC.

 

SD-Card -> WLAN Netzwerk 1 -> Router -> WLAN Netzwerk -> OG-PC-> Ablageordner X

SD-Card -> WLAN DirektNetzwerk 2  -> EG-PC-> Ablageordner Y

 

Die Direktverbindung wird überwiegend propagiert für Geräte wie Android, IPhone usw., jedoch ist sie auch ganz klar für die Verbindung mit PC beschrieben.

Die Einrichtung gelingt scheinbar, das Netzwerk wird eingerichtet, aber nach dem Fotografieren wird das Netzwerk nicht aufgebaut und ergo nichts gesendet. Den vermutlichen Grund des Problem präsentiert die OnlineHilfe in Form eines farbigens Hinweis: Das Direktmodus-Netzwerk arbeitet nur, wenn kein anderes Netzwerk für die Eye-Fi Karte verfügbar ist. Ich müßte also im ganzen Haus die Netzwerk und Internetverbindung kappen - haha, guter Witz.

Der Direktmodus ist nicht benutzbar wenn man sich in einem weiteren der Karte bekannten Wlan-Netzwerk befindet.

 

Bliebe noch die Option zwei Netzwerke als Direktverbindung zu konfigurieren:

 

SD-Card -> WLAN DirektNetzwerk 1  -> OG-PC-> Ablageordner Y

SD-Card -> WLAN DirektNetzwerk 2  -> EG-PC-> Ablageordner Y

 

Diese Verbindungen werden sich aber auch gegenseitig ausschließen, außerdem wäre die Konsequenz jetzt schon klar: Die Bilder aus dem EG schaffen es nicht ins OG und umgekehrt, vermutlich reicht die Leistung nicht mal innerhalb der Etage durch die Räume.

 

Stolperstein Benutzer

Prinzipiell ist es ja korrekt das Bilder benutzerspezifisch abgelegt werden. dies wird erreicht in dem man den Speicherort in ein benutzerspezifisches Verzeichnis lenkt. Im Familienumkreis aber auch im kleinen Firmenumkreis mag es aber gewollt sein das der Speicherort im Bereich /Public bzw. /All Users liegt, damit jeder Benutzer des Rechners darauf zugreifen kann. Damit ist die Eye-fi software scheinbar überfordert, denn dies ist nicht vorgesehen. Die Übertragung erfolgt nur wenn jener Benutzer eingeloggt ist der die Installation und konfiguration durchgeführt hat, selbst dann wenn der Speicherort im öffentlichen Bereich liegt.

 

Lösungen 

Die Lösung wäre vermutlich ein Serverlaufwerk, eine externe Festplatte an der Fritzbox oder ein NAS, so daß die Bilder zentral für alle PCs abgelegt werden, egal ob PC an oder nicht. Nur das hat ja auch nicht gerade jeder zu Hause. 

 

Der Hersteller selber sieht die Lösung eher woanders. Im Eye-Fi Konfigurationscenter kann man natürlich den bestehenden Ziel-PC herauswerfen und den eigenen eintragen. Das ist aber ja nicht Sinn der Sache das jeder am PC erst mal prüfen muss wie die Karte gerade konfiguriert ist. Dazu kommt noch das für die hinterlegten Rechner der Speicherpfad nicht gemerkt wird und jedesmal neu eingestellt werden muss sofern er vom Standardpfad abweicht. Ehe man das alles erledigt hat hat man die Bilder auch per Card Reader übertragen.

 

Für das Problem mehrerer Benutzer an einem Computer gibt es zumindest einen Workaround in Form des Kopierens einer Konfigurationsdatei.

 

Der Support

Im Anschluß an das Theather kontaktierte ich den Support von Eye-Fi per email, shcilderte die zwei Probleme ( 2 PC in einem WLAN, 2 Benutzer auf einem Konto). Innerhalb von 48 Stunden bekam ich folgdende Antwort:

 

"Kontaktieren sie den Sandisc Support"

 

Solche Supportmeldungen sind echt eine Offenbarung, da muss man doch mal anrufen. Also ruf ich Eye-fi an, eine deutsche Festnetznummer. Keine Ahnung wo ich rauskomme ich vermutein den USA. ein deutscher Mitarbeiter freut sich offenbar mal ein bischen seine Muttersprache benutzen zu können, fragt mich nach der Farbe meiner Karte und erklärt folgendes: ich hätte keine original Eye-Fi Karte sondern eine von Sandisc, die in Europa quasi Lizenzen vertreiben würden aber die original software benutzen. Die wären qualitativ schlechter (er meinte langsamer) und würden etwa einer Eye-Fi Mobile X2 entsprechen. Er würde mir aber trotzdem mal helfen, was ich denn für ein Problem hätte.

Ich schildere Problemfall Eins. 2 PC im Wlan - Antwort: Funktioniert nicht. Ich schildere Problem zwei: 2 Benutzer an einem PC. Antwort: Geht nicht. Ich erkläre das sämtliche Konfigurationsmöglichkeiten an einem familiären Einsatzszenario vorbei führen und das nicht der rechte Weg ist wenn man vorhat mit einem Produkt die breite Masse erreichen zu wollen. Er gibt zu das die Ausrichtung ausschließlich auf Single-User abgestimmt ist. Nachdem ich durchblicken lasse das ich eine bischen von der Materie verstehe diskutieren wir gemeinsam ein paar Optionen. ( Er: als ich das letzte mal bei meinem Bruder in D war hab ich folgendes gemacht ....). Im Endeffekt läuft es auf folgendes hinaus. Um von mehreren Benutzerkonten oder PCs auf die Bilder zuzugreifen braucht man

 

A) ein entsprechendes Serverlaufwerk (im Firmenumfeld, sofern mindestens W. Prof. vorhanden, oder einen HomeServer)

B) einen NAS mit FTP Freigabe, er meinte von außen aber ich denke es geht auch intern

C) als Minimallösung eine Festplatte z.B. an der Fritzbox oder ähnlichem, sofern sie als externes Laufwerk ansprechbar ist.

 

Keiner der Lösungen ist bei mir ohne weitreichende Strukturänderungen einsetzbar.

 

Fazit

Natürlich erfüllt die Karte die Anforderungen der Nutzer in vielen Fällen. Leider aber nicht in allen, Benutzeranforderungen sind halt vielfältig. Ein selten erwähntes Plus ist das eine Datenübertragung auch an Geräte funktioniert die keinen passenden Cardreader (SDHC) besitzen.

Die simple Variante das man die SD Card im Netzwerk einfach freigibt ( so wie zB. einen Drucker der am Router hängt), die Karte pingt ins Netzwerk wenn sie neue Bilder hat,  und jeder PC der es braucht saugt sie sich runter.... das funktioniert so leider nicht.

Für solche Fälle sollte man prüfen ob eine "Eye-Fi PRO X2" mit Ad-hoc Fähigkeit die Anforderungen besser erfüllt. Die Unterschiede zwischen Ad-hoc Modus und Direktverbidung sind für viele Benutzer -mich eingeschlossen -  nebulös.

Benutzer mit mehreren Zielrechnern, sei es nun Tablett, I-Pad oder PC laufen schnell Gefahr ständig Zeit mit der erneuten Konfiguration der Karte verbringen zu müssen  da sich oft Übertragungswege gegenseitig ausschließen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Stefu (Freitag, 09 August 2013 12:25)

    Vielen Dank für den ausführlichen Bericht!!!
    Hat mich bei dem Thema eye-fi sehr weiter gebracht.

    Hast du auch mal die Transcend-Lösung probiert? Die scheint sich ja komplett zu unterscheiden: Karte generiert einen Hotspot und wer will und darf, wählt sich ein und holt sich die Bilder?!

    Kurzvergleich siehe hier
    http://www.chip.de/artikel/Kamera-mit-WLAN-Aufruesten-mit-WiFi-SDHC-Card-und-WLAN-Adapter_62243591.html

  • #2

    (Freitag, 09 August 2013 13:41)

    Danke für den Hinweis. Die Trancend- Karte war zum Zeitpunkt des Berichtes noch nicht am Markt. Ich bin aber definitiv der Meinung das so wie das Transcend löst - als Adhoc - Karte die keine extra Software braucht, es für viele Einsatzbereiche die bessere Lösung ist. HotSpot ist in dem Zusammenhang aber wohl der falsche Begriff, denn das asoziiert einen Internetzugang.

  • #3

    Hochzeitsfotograf (Dienstag, 31 Dezember 2013 21:16)

    Sehr guter Bericht, der mir beim KAuf einer Eye-Fi Karte sehr gehplfen hat!
    Danke